Bekky Berg
Book, design & film
 

BUCH

BOOK

Mein erster Roman "Nachtigall - In der Not" wird aufgrund des Studiums voraussichtlich 2020 erscheinen. 2019 hatte mein erster Kurzfilm "Das Möbiusband", bei dem ich auch das Drehbuch geschrieben habe, Premiere.

Bekky Bergs first book "Nightingale" is in work. The German version will be published 2020. In 2017 she has written the screenplay for the shortfall "The Loop".

Ein paar Beispiele hier: 



Kurzgeschichten


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13.06.2019

Das Vortanzen

--Lesezeit: ca. 3 min.--
Die Scheinwerfer gehen an. Der Herzschlag einer Frau.
„Name?“ fragt eine Dame unfreundlich, die hinter einem Tisch im Zuschauerraum sitzt. Sie ist gut gekleidet, hat eine gerade, aufrechte Haltung, die Nase ein wenig zu weit oben.
„Nastasia Vinkojwisk“ antwortet die Frau schnell. Sie trägt einen schwarzen Body und atmet tief durch. Die Dame notiert ihren Namen:
„Worauf warten Sie?“ fordernd sieht sie Nastasia an. Diese blickt zur Seite hinter den Vorhang. Der Techniker startet die Musik.
Nastasia beginnt zu tanzen. Sie hat erst von einer Position in die Nächste gewechselt, da wird sie unterbrochen. „Stop!,“ sagt die Dame genervt, „nächste.“ Nastasia bleibt verwirrt stehen.
Sie erinnert sich an die Zeit in der sie ihre erste Tanzschritte von ihrer Oma lernte, dann an die Grundschule, die nie schnell genug vorbei sein, damit sie in den Tanzraum flüchten konnte. Das sie den höheren Abschluss sausen lies, um stattdessen eine Tanzausbildung zu machen. Was sie sich deswegen von ihrem Vater anhören musste. Und jetzt saß diese eine Person von der Company dort und entschied über ihre Zukunft und schlussendlich gegen sie: „Darf ich es bitte nochmal probieren?“
„Sagen sie das auch, wenn sie die Premiere versaut haben? Nächste!“
Nastasia redete sich nach jedem Vortanzen ein, dass es nicht an ihr lag. Das sie nicht in die Company oder zu dem Theater passte. Aber sie wollte nicht aufgeben. Sie liebte doch, was sie tat. Warum wurde sie nicht genommen? Für jedes Vorsprechen änderte sie ihre Choreographie. Vielleicht war sie doch nicht gut genug?
„Dann sagen sie mir wenigstens was ich besser machen kann?“
„Hast du so wenig Selbstbewusstsein, Mädchen? Ich kann dich nicht gebrauchen!“
Nastasia verlässt die Bühne. Sie hört wie die Dame ihr: „Unverschämt“ hinterherruft. Sie ist nicht unverschämt. Warum ist es unverschämt um Hilfe zu bitten? Warum ist es unverschämt um Antworten zu bitten? Haben diese Choreographen vergessen, wie sie einmal angefangen haben? Dass sie auch einmal jemanden hatten, der ihnen eine Chance, einen Vertrauensvorschuss gegeben hat? Nastasia zieht sich hinter der Bühne die Ballettschule aus und die Jogginghose an. Sie hört wie die anderen Tänzerinnen über sie tuscheln und versucht dies zu ignorieren, nimmt ihre Tasche und verlässt das Theater. Vielleicht denken diese Choreographen sie wären was Besonderes? Nastasia bleibt stehen. Genauso wie sie denkt, sie wäre etwas Besonderes? Sie wechselt die Straßenseite und sieht sich das Theater von außen an. Die Fassade, das Gold, die Schrift. Sie will sich umdrehen und Richtung U – Bahn laufen, da rennt sie in jemanden hinein. „Es tut mir leid.“ Sagt der Mann mit gerader, aufrechter, schmaler Statur. Sein Haaransatz ist bereits grau, genau wie sein sehr teuerer Mantel. Als er erkennt, dass eine Balletttänzerin vor ihm steht, wird er ganz weich. „Waren Sie beim Vortanzen?“ Er deutet auf das Theater. „Ja, aber, ich bin nicht genommen worden.“ Sie versucht sich an ihm vorbei zuschieben. „Das kann ich mir gar nicht vorstellen.“ Versperrt ihr der Mann den Weg. „Hören Sie es ist ja schön, dass Sie das Ballett mögen, aber ich muss jetzt gehen.“
„Wohin? Haben Sie noch ein Vortanzen?“
„Nein.“
„Wohin dann so eilig?“
Nastasia bleibt stehen und verschränkt die Arme. „Ich möchte nach Hause und mich bei meiner Mutter darüber ausheulen, dass ich wieder nicht genommen worden bin.“ Sagt sie zynisch. Er muss lachen. „Sagen Sie ihr das genau so? Oder tanzen sie ihr das vor?“ Er wartet darauf, dass sie kontert, aber das tut sie nicht: „Gehen Sie einen Kaffee mit mir trinken?“
„Warum sollte ich das tun?“ fragt Nastasia.
„Das weiß ich vermutlich genauso wenig vorher, wie Sie.“
Nastasia überlegt, aber ihr Kopf ist leer. Die Menschenmaßen schieben sich links und rechts an ihnen vorbei. „Naja irgendeine Absicht müssen Sie ja haben sonst würden Sie mich ja nicht fragen. Wer sind Sie überhaupt?“
„Viktor Sevoski.“ Nastasia bekommt große Augen.
„Gehst du jetzt mit mir einen Kaffee trinken?“
Nastasia schluckt: „Hast du mich erkannt?“
„Natürlich, immer in der ersten Reihe.“
„Jetzt wohl nicht mehr.“
„Hmmm...da wäre ich mir nicht so sicher.“ Entgegnet er.
„Hast du einen Job für mich, Herr Choreograph?“
„Das weiß ich noch nicht. Aber ich mag Kaffee.“

Nastasia lächelt. Er bietet ihr den Arm an, sie hakt sich bei ihm ein.
„Ich habe mich heute erinnert wie ich einmal angefangen habe.“ Sagt sie zu ihm.

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